„Wir sind Jochen Distelmeyer“ sagt Jochen Distelmeyer im Laufe des Konzerts. „Und das nächste Stück heißt:“ Weiter im Text. Ein Konzert, das in gewisser Weise in den 90ern stattfindet – Distelmeyer ignoriert das Rauchverbot, im Publikum wird das Rauchverbot ignoriert, Hauptsache, die Gitarre produziert ein lautes Feedback. Das Publikum besteht zu gefühlten 80 Prozent aus Männern, eine neue „Fanbase“ hat das Solo-Album dem Eindruck nach nicht erschlossen. Es sind dennoch nicht nur die „alten Hits“, die für Begeisterung sorgen – dafür sind gute Distelmeyer-Songs einfach zu „gut“.
Wenn einmal die Geschichte des deutschsprachigen Abschiedsliedes geschrieben worden ist, dann ist „Nur mit Dir“ darin entweder ein Ehrenplatz eingeräumt worden – oder es ist ein Werk geworden, das seiner Aufgabe nicht gerecht wurde. Distelmeyer hat viele großartige, bewegende Songs geschrieben, aber mit „Nur mit dir“ hat er sichergestellt, dass die Zeit nach Blumfeld nicht nur seine Frank Black-Phase ist, sondern eher seine Robbie Williams-Zeit. „Nur mit dir“ ist vielleicht nicht „Angels“, aber schon „Eternity“ – und dann gibt es da ja auch noch „Murmel“. Die beiden Songs alleine rechtfertigen dieses Konzert, rechtfertigen den Eintrittspreis, die Anreise, die Wartezeit. Allerdings nicht die T-Shirt-Preise: 20 €? Junger Mann, das wäre selbst dann nicht gerechtfertigt, wenn Ihnen was total Flottes eingefallen wäre. Für 10 € hätte ich das „heavy“ World Trade Center gekauft, aber nicht für das Doppelte. So bleibt ein Konzert, das auch bei Distelmeyer wohl Spuren hinterlassen mag, denn die letzte Zugabe („Old Nobody“) wirkte wie eine _wirkliche_ Zugabe, wie ein Tribut an die Begeisterung, die Songs wie „Status: Quo Vadis“ und „Pro Familia“ entfachten. Und eben auch „Murmel“ und „Nur mit dir“: Die neuen Stampfer bringen uns nicht weiter, wer hat das Taschentuch?

Trotzdem: Eine Fussnote zur Geschichte von Blumfeld wird die Existenz als Individuum bleiben, wenn der eigentliche Kulminationspunkt so etwas wie „Pro Familia“ bleibt. Verjüngt sich eigentlich im Fluchtpunkt. Regen oder nicht. Mein eigenes T-Shirt: Die Welle von „Nowhere“. Die 90er, die Wohlfahrtsausschüsse, der Gedanke, es könnte anders kommen können. Jetzt bleibt: Dancing Barefoot. Und mehr Gitarrenwechsel als Sonic Youth, Distelmeyer wechselt ca. nach jedem Lied die Gitarre. Weil: Warum nicht.




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